18 Brief an dich

Hey J,

was soll ich schon großartig erzählen? Über zwei Monate habe ich dir schon nicht mehr geschrieben. Mittlerweile bin ich 19 Jahre alt, am Tiefpunkt meines bisherigen Leben und einfach nur am Ende. Schon lange habe ich nicht mehr über Selbstverletzung nachgedacht, wobei nachgedacht schon, aber schon lange nicht mehr dieses große Verlangen dabei gespürt. Ich bin kurz davor - und das ein Tag vor Silvester. Wäre doch ein super Jahresende, findest du nicht?
Ich weiß nicht mehr wie es mit uns weitergehen soll. Ich kann mich momentan einfach nicht anfassen lassen - eine Umarmung ist okay, aber auch nur okay. Dich zu küssen ist schon eine riesen Überwindung, und wenn du mich dann noch anpacken willst... ich möchte am liebsten schreien. Es liegt nicht an dir, du hast nichts getan. Ich weiß nicht woher es kommt. 
Vielleicht sollte ich mir doch wieder eine Therapie suchen. In letzter Zeit kommt auch immer wieder dieser Menschenhass auf. Ich bekomme Panik in Menschenmengen, es steigen Hass und Aggressionen  in mir auf die ich in solch einem Ausmaß nicht kenne. Die meisten freien Tage verbringe ich alleine in meinem Zimmer, umgeben von Büchern. Ich will nicht mehr raus, will nicht unter Menschen. Selbst unter Freunden fällt es mir schwer zu sein. Ich will mich einfach nur noch unter meiner Decke verstecken und nicht gesehen werden. Doch genau an diesen Tagen nagt die Einsamkeit an mir. Ich fühle mich schrecklich verloren und alleine, noch nicht einmal mehr du kommst zu mir - und irgendwie kann ich es dir nicht übel nehmen. Seit Monaten habe ich nicht mehr geweint, es geht einfach nicht. Ich wünsche mir einfach nochmal weinen zu können, vielleicht wäre es dann besser..

In immer fortwährender Liebe,
K.